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KUGEL medical News

05Feb2018

Pathologen – die stillen Helden hinter dem Mikroskop

"... Pathologen sind doch die aus CSI..." den Satz hat bestimmt jeder Pathologe schon mindestens ein Dutzend Mal gehört. Denn nur die wenigsten wissen: etwa 95% seiner Zeit dient der Pathologe den lebenden Menschen. Er ist die wichtige und alles entscheidende Verbindung zwischen Diagnose und Therapie.

Was ist Pathologie?

Die Pathologie ist ein Teilbereich der Medizin, der sich mit der Beschreibung und Diagnose von krankhaften Vorgängen und Zuständen im Körper beschäftigt. Die pathologische Diagnostik beruht in erster Linie auf der Beurteilung von Geweben.[1] Aber auch hier befindet sich die moderne Medizin im Wandel: zunehmend werden biochemische und molekularbiologische Methoden eingesetzt. Direkten Kontakt zum Patienten hat der Pathologe dabei nicht. Er steht dem klinischen Arzt im Hintergrund zur Seite und liefert somit viele wichtige Prognosefaktoren (z. B. TNM-Klassifikation), die zur richtigen Behandlung des Patienten unverzichtbar sind. Insbesondere im Fall eines Tumors und der Frage nach der Gut- oder Bösartigkeit ist ein Pathologe gefragt.

Damit ein Arzt mit seiner Analyse beginnen kann, bedarf es vorher einer sog. Biopsie. Dabei wird ein Organ oder ein kleines Gewebestück bzw. eine Zellprobe von einem Arzt operativ entfernt, von einer medizinisch-technischen Assistentin (kurz MTA) präpariert. Im Labor werden dann krankhafte Veränderung aus dem Präparat geschnitten. Der Pathologe begutachtet unter dem Mikroskop den Typ, die Größe, die Ausdehnung, die Bösartigkeit eines Tumors. Außerdem sind sie maßgeblich in die Diagnostik verschiedenster Fachgebiete eingebunden.

Pathologen und MTA findet man in eigenen niedergelassenen Praxen, pathologischen Laboren im Krankenhaus und pathologischen Instituten an einer Hochschule.

Obduktionen machen dabei nur einen Bruchteil der Arbeit des Pathologen aus. Eine Obduktion durch den Pathologen wird vorgenommen, wenn ein Patient eines natürlichen Todes gestorben ist (z. B. nach einem Herzinfarkt) und seine Angehörigen mit der Obduktion einverstanden sind. Dabei dient diese sog. klinische Obduktion der Klärung der Todesursache und der vorbestehenden Erkrankungen. Sie gibt dem behandelnden Arzt eine Rückmeldung über die Richtigkeit seiner Diagnose und Behandlung. Die Rechtsmedizin hingegen beschäftigt sich unter anderem mit der Klärung unnatürlicher Todesursachen, z. B. Mord. Der geläufige Irrtum erklärt sich aus einer Fehlübersetzung: Im amerikanischen Sprachgebrauch entspricht der Rechtsmediziner dem forensic pathologist. Durch die wörtliche Übersetzung ins Deutsche entsteht hier die große Begriffsverwirrung.

 

Gründerväter und Wegbereiter der Pathologie

Wer sich ein wenig mit der Pathologie befasst, wird schnell im Deutschen Sprachraum auf Rudolf Virchow aufmerksam.

Am 13. Oktober 1821 als Sohn eines Stadtkämmerers und Landwirts in Schivelbein an der Rega im heuten Polen geboren, ahnte damals noch niemand, dass Rudolf Ludwig Virchow einmal der Wegbereiter der modernen Pathologie wird. Er vertrat eine sowohl naturwissenschaftlich wie sozial orientierte Medizin. Als liberaler Politiker der Deutschen Fortschrittspartei und der Deutschen Freisinnigen Partei stand er in höchstem Ansehen.[2]

Noch immer diagnostizieren die meisten Pathologen wie Virchow. Seine Zellpathologie machte die moderne Pathologie erst möglich. So stützen sich die meisten Experten noch heute auf einen Grundsatz, den Virchow erstmals formulierte: "omnis cellula e cellula" - eine Zelle kann immer nur aus einer Zelle hervorgehen. Virchow war einer der ersten, der erkannte: Die Zellen sind es, die die Krankheiten tragen. Zu seiner Zeit eine revolutionäre Behauptung, die erst noch bewiesen werden musste und bewiesen wurde. Seine Methode, Gewebe zu zerschneiden, zu färben und sich die Einzelheiten und Veränderungen unter dem Mikroskop zu betrachten, hat sich bis heute gehalten. Und so wurde durch Virchow auch die Zelle "als kleinste Einheit des Lebendigen" festgeschrieben.[3]

In ihrer heutigen Form geht die Pathologie, als Wort bereits von Jean Fernel populär gemacht, auf den italienischen Forscher Giovanni Battista Morgagni (1682-1771) zurück, der mit seinem fünfbändigen Werk De sedibus et causis morborum ("Vom Sitz und den Ursachen der Krankheiten") im Jahre 1761 den Grundstein für die wissenschaftlichen Forschungen legte und insbesondere als Begründer der Pathologischen Anatomie gilt.

Bereits im Altertum wurden in Ägypten und Griechenland Leichenöffnungen durchgeführt, die aber mehr der anatomischen Bildung dienten. Erst mit Ende des 18. Jahrhunderts wurden auf Grund des zunehmenden Verständnisses für die Bedeutung der Leichenschau erste Fachvertreter, die eigens für die Sektionen verantwortlich waren, bestellt. Der erste sogenannte Prosektor (lat. prosecare: vorschneiden) begann 1796 am Wiener Allgemeinen Krankenhaus seine Arbeit. Der erste Lehrstuhl für Pathologie wurde 1819 in Straßburg eingerichtet (Jean-Frédéric Lobstein, 1777-1835). Als Prüfungsfach wurde Pathologie im Jahre 1844 in Wien eingeführt.[4]

 

Ohne Pathologie keine Heilung

Durch immer neuere und komplexere Methoden können Pathologen heute sogar in der Molekularpathologie einzelne Zellen auf Veränderungen in ihrer DNA und RNA - viel genauer also, als es mit einem Mikroskop möglich wäre untersuchen. "Der Einblick auf molekularer Ebene erlaubt uns die noch genauere Diagnostik von Erregern sowie die Identifizierung und Klassifizierung von Tumoren", erklärt Prof. Haller. "Es ist sogar möglich, Therapien spezifisch an die Eigenschaften eines Erregers anzupassen und so die Erfolgschancen der Behandlung zu erhöhen", so Prof. Haller in einem Artikel auf der Website des Pathologischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen.[5]

Aber auch das Internet mit seinem zahlreichen Portalen und Plattformen für Ärzte und Wissenschaftler ist ein unverzichtbares Medium beim Austausch zwischen Medizinern geworden. So hat z.B. der Nordirische Kamerahersteller Cirdan Ltd. eine hochauflösende Kamera entwickelt, mit der man selbst feuchte Schnittpräparate hochauflösend und blendungsfrei abfotografieren kann. [6]Die Fotografie wird danach in eine gesicherte Cloud hochgeladen und vom Pathologen zum Einholen von Zweitmeinungen für Kollegen zugänglich gemacht und für Forschungs- und Schulungszwecke freigegeben. Dank der hochauflösenden Fotos müssen keine langen Beschreibungen der Schnittproben oder Zeichnungen von Hand angefertigt werden - einer von vielen noch kommenden Schritten in Richtung digitale Pathologie!

Unter dem Hashtag #pathologyday verlinkt das Royal College of Pathologists (eine wissenschaftliche Vereinigung der Pathologen im Vereinigten Königreich) seit 2014 Pathologen aus aller Welt, um jährlich die lebensrettende Arbeit der Pathologen weltweit zu ehren und zu feiern. Beim gleichnamigen International Pathology Day (IDP)[7] Round-Table haben sich am 15. November 2017 Pathologen aus aller Welt getroffen und gemeinsam über die Rolle der Pathologie und Labormedizin in der Krebsbekämpfung diskutiert. Das Treffen wurde vom britischen The Pathologist Magazine und der Präsidentin des Royal College of Pathologists, Dr. Suzy Lishman organisiert. Zusätzlich konnte jeder, der nicht persönlich teilnehmen konnte, über einen Live-Stream den Dialog der weltweit renommieren Pathologen verfolgen.

Auch im kommenden Jahr werden wieder zahlreiche Konferenzen, Fortbildungen und Tagungen vom Royal College of Pathologists organisiert. Weitere Informationen zu den neuesten Erkenntnissen in der Pathologie finden Sie auf der offiziellen Website des Royal College of Pathologists: https://www.rcpath.org/

 

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Pathologie
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Virchow
[3] http://www.br.de/themen/wissen/virchow-rudolf-pathologe-pathologie-wissenschaft-100.html
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Pathologie#Geschichte
[5] http://www.pathologie.uk-erlangen.de/aktuelles/nachrichten/detail/moderne-molekulare-pathologie/
[6] http://www.cirdan.com/products/imaging/pathlitecompact/
[7] https://www.rcpath.org/international/projects/international-pathology-day-.html

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